Dienstag, 19. Januar 2010

+++1000 Meisterwerke - heute: das Graffiti gegenüber dem Stadtmuseum.


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"SEX ist geil" hat der  anonyme Künstler an die Wand geschrieben, der uns wahrscheinlich auch die "SEX" Mülltonne am Spielplatz im Stadtpark und das ein oder andere Kunstwerk unter der Brücke am Finanzamt bescherte.
Auffällig ist die Schriftart. Scheinbar lieblos wurde die Botschaft auf diese morbide anmutende Wand geschmiert. Doch gerade diese Lieblosigkeit oder Vielmehr die Diskrepanz zwischen der Art der Darbietung und dem rein formellen Wortwert lässt mich genauer hinschauen. Irgendetwas stimmt hier nicht.
Das Wort "SEX" ist komplett in Großbuchstaben geschrieben, als wollte es herausgeschrieen werden, als sei selbst teil des Aktes, in Wildheit und Getöse vollzogen und mit Geschrei beendet.
Nun steht es aber am Anfang. Liegt es daran, dass Sex nunmal am Anfang des Lebens steht?
Und was ist mit diesem absolut trivialen Satz, dessen Inhalt doch eigentlich selbstverständlich sein sollte?
Fragen über Fragen tun sich auf.
Die Antwort liegt in der Leinwand selbst, im Setting, in der Bühne, die der Künstler wählte.
Ihr rauer, schmutziger Untergrund ist nun gar nicht "geil" und fügt diesem Kunstwerk nur einen weiteren Wiederspruch hinzu.
Auch die Wahl des Ortes, gegenüber dem Stadtmuseum, einem Ort der Bildung, ist sicherlich gewählt.

Ich kann nur vermuten. Ich vermute also, dass der Künstler den Betrachter auffordern möchte, einfach mal aus seiner grauen Welt aufzutauchen, aus dem Alltag, in dem alles grau ist, alles kaputt ist, alles Scheiße ist.

Alles?
Nein, denn Sex ist ja geil.

Kommentare:

GIR hat gesagt…

nice. sollte mir die originale dieser serie mal wieder anhören. gibts die eigentlich auch im netz?

SpoonOfTheDamned hat gesagt…

bitte mehr davon.
Ausserdem: der künstler hat recht.